Säkulares Forum Hamburg – Vereinigung der Konfessionsfreien –

Leserbrief an das Hamburger Abendblatt (19. Januar 2015)

Am 19. Januar 2015 veröffentlichte das Hamburger Abendblatt ein Streitgespräch mit dem Titel: „Glaube und Gewalt müssen sich ausschließen"

Prof. Dr. Helmut Kramer, 1. Vorsitzender des Säkularen Forums Hamburg, verfasste dazu einen Leserbrief, der am 22. Januar abgedruckt wurde:

Jedem seine Religion lassen

19. Januar: „'Glaube und Gewalt müssen sich ausschließen'. Streitgespräch nach den Pariser Anschlägen: Die Religionsführer in Hamburg suchen den Dialog“

Das Gespräch hat einmal mehr gezeigt, dass die heiligen Bücher der Weltreligionen auf Auslegungen beruhen, die sehr unterschiedlich ausfallen können. Das gilt für die friedlichen wie für die gewalttätigen Auslegungen. Es liegt im Prinzip einer Offenbarung, dass jeder Exeget sich auf ein unfehlbares höheres Wesen beruft und dadurch automatisch andere Auslegungen als ungläubig brandmarkt. Die dadurch entstehende Spaltung der Gesellschaft in „Gute“ und „Böse“ ist die Wurzel des Übels. In einer säkularen Ethik werden Glaubenswahrheiten nicht mehr als Ergebnis einer Offenbarung verstanden, sondern als Vereinbarung zwischen gleichberechtigten, selbstverantwortlichen Menschen, die die Regeln der Demokratie und Menschenrechte achten. Dann schließen sich Religion und Gewalt aus, weil jeder dem anderen in aller Bescheidenheit seine Religion lässt.

Prof. Dr. Helmut Kramer